Dieser Beitrag ist Teil des Themenclusters Neu am Markt. Fachbegriffe und Grundlagen sind intern verlinkt, damit du Details bei Bedarf direkt vertiefen kannst.

Ein Muster wird zur Designsprache

Wiener Geflecht ist historisch ein konkretes Rohrgeflecht mit charakteristischer sechseckiger Struktur. Im aktuellen Möbeldesign wird der Begriff jedoch zunehmend weiter gefasst. Falstaff Living zeigte im April 2026 fünf aktuelle Interpretationen, bei denen nicht überall klassisches Rattanrohr verwendet wird.

Das Ergebnis ist spannend, kann beim Einkauf aber Verwirrung erzeugen. Ein Möbel kann optisch an Wiener Geflecht erinnern, ohne technisch ein klassisches Wiener Geflecht zu besitzen.

Was beim Original typisch ist

Klassisches Wiener Geflecht entsteht aus mehreren sich kreuzenden Strangsystemen. Dadurch bildet sich das bekannte hexagonale Muster. Traditionell wurde dafür Rohrmaterial verwendet. Die Konstruktion ist leicht, luftdurchlässig und verteilt Lasten über mehrere Richtungen.

Heute gibt es handgeflochtene Varianten, vorgefertigte Geflechtbahnen als Meterware, Kunststoff-Imitate und grafische Muster, die nur an Wiener Geflecht erinnern.

Für Reparaturen ist die Unterscheidung entscheidend. Eine Nut mit eingepresster Geflechtbahn wird anders repariert als ein Stuhl, dessen Sitzfläche Loch für Loch von Hand bespannt wurde.

Größere Raster verändern die Wirkung

Aktuelle Designs vergrößern das Raster oder vereinfachen die Kreuzungen. Dadurch wirkt die Fläche architektonischer und weniger kleinteilig. Das kann bei großen Rückenlehnen oder Raumteilern gut funktionieren.

Die mechanische Wirkung verändert sich jedoch ebenfalls. Größere Öffnungen benötigen andere Strangstärken oder eine andere Spannung, wenn die Fläche belastet wird. Eine dekorative Schranktür darf viel offener aufgebaut sein als eine Sitzfläche.

Rope und Leder übernehmen die Idee

Ein besonders deutlicher Trend ist die Übertragung des Mustergedankens auf andere Materialien. Handgezogene Kordeln oder Lederbänder können ähnliche offene Raster erzeugen. Diese Lösungen sind gestalterisch verwandt, sollten aber nicht automatisch als klassisches Wiener Rohrgeflecht bezeichnet werden.

Für Käufer lohnt sich deshalb die Frage: „Welches Material ist tatsächlich verarbeitet?“ Nur so lassen sich Pflege, Reparatur und Alterung sinnvoll einschätzen.

Lichtdurchlässige Flächen als neue Anwendung

Offene Geflechte werden nicht nur an Stühlen verwendet. Schrankfronten, Raumteiler und Leuchten profitieren davon, dass die Fläche Sichtschutz und Durchlässigkeit gleichzeitig bietet.

Bei Leuchten verändert das Raster zusätzlich den Schattenwurf. Bei Schranktüren unterstützt es Luftzirkulation. Bei Raumteilern trennt es Zonen, ohne den Raum vollständig zu schließen.

Damit überschneidet sich das Thema zunehmend mit unserem Bereich Rattanlampen und mit Möbeln aus Wiener Geflecht.

Worauf beim Kauf zu achten ist

Wenn ein Produkt mit „Wiener Geflecht“ beworben wird, sollte man prüfen:

  • echtes Rohrmaterial oder Kunststoff?
  • klassisches Sechseckmuster oder nur optische Referenz?
  • handgeflochten oder vorgefertigte Bahn?
  • tragende Fläche oder reine Dekoration?
  • wie ist das Geflecht am Rahmen befestigt?
  • gibt es Ersatzmaterial beziehungsweise Meterware?

Diese Fragen helfen stärker als ein Stilbegriff.

Unser redaktioneller Blick

Der Trend ist positiv, weil er Flechtstrukturen sichtbarer macht und neue Anwendungen eröffnet. Gleichzeitig wird die Terminologie unschärfer. Genau hier kann ein Fachportal helfen: Wir trennen Muster, Material und Konstruktion, damit „Wiener Geflecht“ nicht zum beliebigen Marketingwort wird.